Jan Stölben auf dem Ernstberg

Ein Olympia-Teilnehmer auf Heimatbesuch

Artikel von Holger Teusch (Tierischer Volksfreund)

Nach seinem Olympia-Debüt muss der Manderscheider Jan Stölben als erster Skilangläufer aus der Vulkaneifel einige Autogramme geben.
(Foto: Holger Teusch)
Nach seinem Olympia-Debüt muss der Manderscheider Jan Stölben als erster Skilangläufer aus der Vulkaneifel einige Autogramme geben. (Foto: Holger Teusch)

Jan Stölben war als erster Skilangläufer aus der Vulkaneifel bei Olympischen Winterspielen dabei. Der 24-Jährige und Wegbegleiter plaudern aus dem Nähkästchen.

In vier Jahren muss Thomas Kloth eigentlich mit zu den Olympischen Winterspielen in die französischen Alpen radeln. Das ist die Rechnung, die Jan Stölbens erster Trainer noch zu begleichen hat. „Vor zweieinhalb Jahren habe ich eigentlich versprochen: Wenn es mit Olympia klappt, fahre ich mit dem Rad hin“, erzählte Kloth beim Empfang des Winterolympioniken Stölben bei dessen Verein SLV Ernstberg. Doch dass es sein ehemaliger Schützling gleich im ersten Anlauf zu Olympia schaffen würde, schien Kloth damals nur ein Wunschtraum – der im Februar bei den Winterspielen von Mailand und Cortina d’Ampezzo wahr wurde (der Volksfreund berichtete) .

Gerade Vater geworden, reiste der aus Kirchweiler am Ernstberg stammende, jetzige Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (diesmal) deshalb ganz konventionell nach Italien, um den erfolgreichsten Wintersportler der Vulkaneifel anzufeuern.

Jan Stölben zu Tränen gerührt
Anders als bei der Qualifikation zu den Olympischen Winterspielen brauchte Jan Stölben am vergangenen Samstag mehrere Anläufe, bevor er sich für die Unterstützung von Familie, Verein und Sponsoren bedanken und vom Abenteuer Olympia erzählen konnte. Vor Rührung kämpfte er mit den Tränen. „Es war ein sehr langer Weg und auch nicht immer der einfachste. Ich bin leider viel zu selten in der Eifel“, bedauert er. Meist trainiert Stölben am Olympiastützpunkt Oberstdorf und in Skandinavien.
„Die Eifel ist aber meine Heimat, die mir am Herzen liegt. Wenn ich hier bin, versuche ich so viele Freunde wie möglich zu sehen.“

Außerdem fährt er gerne stundenlang mit dem Rennrad durch das Mittelgebirge. Im Training und weiter fokussiert zu bleiben, fällt Stölben nicht schwer. Für ihn gab es keinen Post-Olympia-Blues, wie ihn manche andere nach dem Erreichen des weltgrößten Sportereignisses erleben. „Ich hatte aber auch gar nicht die Zeit, mich so fallen zu lassen“, erzählt er.

Nach den Olympischen Spielen ging es direkt mit Weltcups, unter anderem in Lake Placid, weiter. „Olympia war riesengroß und unfassbar cool. Es war Motivation und Inspiration, was erreichbar sein kann und sich noch zu steigern“, sagt Stölben. „Das große Ziel bleibt, irgendwann eine Medaille zu gewinnen.“

Sportstunde mit Gesa Krause
Zurzeit trainiert der Sportsoldat aber noch nach Lust und Laune. In Warendorf absolviert Stölben unter anderem zusammen mit Gesa Krause einen Bundeswehr-Lehrgang und macht den Trainerschein. Der Skilangläufer aus der Eifel und die zweimalige Hindernislauf-Europameisterin vom Verein Silvesterlauf Trier müssen eine Ausdauer-Einheit präsentieren. „Das wird gar nicht so einfach, diese Übungsstunde abwechslungsreich zu gestalten“, sagt Stölben.

Neue Saison mit neuem Trainer
Ab 1. Mai wird wieder nach Plan trainiert. Und mit neuem Trainer! Der Norweger Torstein Dagestad übernimmt die Cheftrainerstelle der deutschen Skilangläufer. Der neue Input von einem Trainer der erfolgreichsten Skilanglauf-Nation,
„das kann uns nur guttun“, glaubt Stölben. Außer im Sprint in der Weltspitze mitzumischen, will er sein Spektrum auf die Distanzrennen ausweiten.

„Auf dem Sprint wird aber weiter der Fokus liegen und darin, das Potenzial, das sich in den Prologen zeigt, auszuschöpfen.“ In den Einzelrennen gegen die Uhr zu Beginn des Sprint-Wettkampfs gehört Stölben zu den weltweit Besten. In den sogenannten Heats, in denen es Mann gegen Mann viel auf Taktik und Erfahrung ankommt, ist für ihn aber bisher oft im Viertelfinale Schluss.

Am Ernstberg begann alles
Das liegt auch an der Technik. Gerade im klassischen Stil sieht Thomas Kloth noch viel Potenzial bei seinem ehemaligen Schützling. Denn den Parallelschritt konnte Stölben als Jugendlicher in der Eifel seltener üben als Talente in schneereichen Regionen.

Begonnen hat alles am Wintersportzentrum Ernstberg. „Ich genieße es immer wieder, hier hochzukommen“, erzählt Jan Stölben. Sein Vater Alexander erzählt von den Anfängen: Als Mutter Tine beim Engadin-Skilanglauf-Marathon teilnahm, wollte auch Jan mitlaufen. Durfte aber nicht. Zu jung!

Inoffiziell reihte er sich aber kurz nach dem Start an der Seite seiner Mutter in die Loipe ein. Zumindest kurzzeitig! „Als Jan allein ins Ziel kam und ich ihn fragte, wo denn die Mama bleibe, sagte er nur: ‚Das kann noch dauern!‘“, erzählt Alexander Stölben (Papa9.

Über Garten-Crosslauf zur Corona-WM
Viermal erreichte Jan Stölben über die Skilanglauf-AG des Dauner Geschwister-Scholl-Gymnasiums das Bundesfinale Jugend trainiert für Olympia. Mit 16 ging er zur Eliteschule des Wintersports nach Winterberg. Als die Internatsschüler während der Corona-Pandemie nach Hause geschickt wurden, drehte Stölben richtig auf, trainierte wie ein Besessener. Mehrmals musste er vorsorglich in Quarantäne, machte deshalb Klimmzüge unterm Esstisch und Crosslauf durch den elterlichen Garten. „Das ist vom Kopf her schon ganz schön schwer, wenn man 100 Runden im Garten läuft“, erzählte er damals dem Volksfreund.

Aber es lohnte sich. „Ich bin zu den Testwettkämpfen für die Junioren-WM mit einer so guten Form gereist, dass ich das erste Rennen gewonnen habe“, erinnert sich Stölben. In Finnland nutzte er seine Chance, wurde bester Deutscher und kam in den Bundeskader.

„Der große Knackpunkt war bei mir das Ende der Schulzeit. Ich war bis dahin nie in einem Bundeskader gewesen“, bewertet Stölben die damalige Situation. Plötzlich öffnete sich für ihn eine Tür. Er wurde Sportsoldat und zog an den Oberstdorfer Olympiastützpunkt. „Allein weiter in Manderscheid zu trainieren, das wäre fast nicht machbar gewesen. Aber man muss auch ein bisschen Glück haben.“